Die Geschichte der Liegenschaft Trenthorst/Wulmenau

"Trenthorst gehört zu den wenigen großen Gütern im holsteinischen Raum, deren Entstehung und Wandlung im Laufe der Jahrhunderte wir in großer Klarheit übersehen" (Jensen 1956, S. 11).

 

  • 14. März 1372: Verkauf des Dorfes Trenthorst und seiner Wassermühle durch den Landadligen Knappe Volrad Wesenberg an den Lübecker Domherrn Magister Johannes Boytin für 372 Mark (Landesarchiv zu Schleswig im Schloss Gottorf). Dieses entsprach dem Wert von 124 Kühen (3 Mark/Kuh). Wenige Monate später Schenkung des Dorfes Trenthorst mit allen Einkünften und Rechten an den Bischof Bertram und das Domkapitel in Lübeck "wegen seines, seiner Eltern und des holsteinischen Grafenhauses Seelenheil".
  • 2. März 1380: Verkauf des Dorfes Wulmenau durch den Landadligen Marquart von Crumesse an den Lübecker Ratsherrn Segebo Crispin für 600 Mark.
  • 1555: Vereinigung der Güter Trenthorst und Wulmenau durch Heirat als Besitz des Lübecker Ratsherrn Franz von Stiten.
  • 1594: Trenthorst als "Lübsches Gut": Verpflichtung des Sohnes Gottschlak von Stiten, dass er seine Landgüter Trenthorst (samt Grinow (Grinau), Wulffenouw (Wulmenau) und Ahrensfeldt (Ahrensfelde) nur an einen ehrbaren Ratsherrn der Stadt Lübeck verkaufen und verpfänden würde. (G v. Stiten am 29.4.1594 vor dem Rat der Stadt Lübeck: "gewilliget vor sich, seine Erben und Erbnehmer," dass er seine Landgüter "Trenthorst, sampt Grinow, Wulffenouw und Ahrensfeldt mit allen Pertinentien sowohl bei seinem Leben vor sich als nach tödlichem Abgang durch seine Erben an niemandt fremdes alinieren (entfremden), vorkauffen, vorsetzen oder vorpfanden soll noch wolle, ohn eallein an einen ehrbaren Rath oder dieser Stadt Bürger". Dafür hat er den Schutz des Rates und der Stadt Lübeck bekommen.
  • 1608: Übergang an die Familie Wetken, seit 1660 in den Erbadel durch kaiserliche Verleihung (Kaiser Rudolf II) erhoben, der das Eigentum von Trenthorst bestätigte (Prag 3. März 1608).
  • 1778: Verkauf von Trenthorst/Wulmenau an Henning Heinrich von Rumohr, die die Liegenschaft auch bewohnte (erstes, nicht mehr existentes Herrenhaus in Trenthorst) und im 19. Jahrhundert bewirtschaftet (mehr als 1000 ha).
  • 1827: Henning von Rumohr beherbergte auf dem Gut Trenthorst eine Reihe von Künstlern (u.a. den Landschaftsmaler Christian Morgenstern * 1805 t 1867 und Friedrich Nerling * 1807 t 1878), die dafür Bilder und sonstige Kunstgegenstände als Gastgeschenk zurückließen (z.B. das Bild "Das Herrenhaus auf Trenthorst" von Morgenstern, 1827). Diese befinden sich heute vor allem den Sammlungen der Kunsthalle und des Museums für Hamburgische Geschichte.
  • 1910: Verkauf an den Kommerzienrat F. Thörl aus Hamburg (Industrieller). Er führte gründliche Umbauten und einige Neubauten durch. Das heute noch sichtbare bauliche Gesamtensemble (Herrenhaus, Wohngebäude, Großställe und Scheunen) entsteht.
  • 1928: Verkauf an den Oldesloer Margarinefabrikanten Bölck. Innenausstattung des Herrenhauses aus der Weimarer Zeit. Bölck ist Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft, die auch Tagungen in Trenthorst durchführen.
  • 1936: Verkauf an Philipp F. Reemtsma (Hamburger Industrieller). Abtretung des Heidberghofs an den Bauern Steffen und Abtretung von Flächen in der Gemarkung Ahrensfelde an den Bauern Gehrken (Flächenverlust rund 50 ha). 
  • Nach 1945: Verlust aller Archiv-Dokumente. Im Zuge der Bodenreform werden 60 ha für Anliegersiedlungen enteignet. 80 ha werden von Reemtsma an den Inspektor und Verwalter Johannsen gegeben. 200 ha können behalten werden, aber 660 ha wurden 1947 an die Kaiser Wilhelm Gesellschaft (heute Max-Planck-Gesellschaft) für Forschungszwecke gegeben. Als Max-Planck-Forschungsinstitut für Tierzucht und Fütterungsversuche hergerichtet. Neubau eines Kuhstalls.
  • 1971: Übergang an die Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL). Es wird Außenstelle des Instituts für Tierzucht und Tierverhalten mit Hauptsitz in Mariensee (bei Hannover).
  • 1996: Beschluss der Bundesministeriums für Landwirtschaft, den Außenstandort Trenthorst/Wulmenau zu schließen. 
  • 2000: Gründung des Instituts für Ökologischen Landbau der FAL. Renovierung des Herrenhauses mit Gästezimmern, Tagungsräumen und Institutsküche. Die "Zentrale" mit dem Wasserturm an Privat verkauft.
  • seit 2008: Nach Auflösung der FAL wurde das Institut für Ökologischen Landbau in das Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Forst und Fischerei, integriert. Die Liegenschaft wurde auf 600 ha verkleinert. Gesamtrestaurierung mit Forschungsfähigkeit der Gutsgebäude in Trenthorst und der Gutsgebäude in Wulmenau, Neubau von Stallungen, Getreidehalle und Wirtschaftslagerflächen.

Historische Quellen:

  • Jensen, Wilhelm (1956): Trenthorst - Zur Geschichte der Lübschen Güter. Karl Wachholtz Verlag, Neumünster, 165 Seiten
  • Hennigs, Burkhard von (2009): Historische Flurnamen in Trenthorst. Ein Beitrag zur Flurnamenforschung in Stormarn. Natur- und Landeskunde - Zeitschrift für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg. Herausgegeben vom Verein DIE HEIMAT, gegründet 1890, 4-6, 116. Jahrgang 2009, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Seite 53-66, ISSN 1611-3829